Ergonomie

Der Begriff der Ergonomie begegnet einem meist als Werbewort. Der neue Bürostuhl beispielsweise ist “ergonomisch” geformt – das klingt gut, fachgerecht und soll die Qualität des Stuhls betonen. Unter der Masse der in der Werbung gebrauchten und verwirrenden Wörtern geht die Ergonomie jedoch oft unter – dabei steckt hinter einer ergonomischen Form zumeist mehr als nur ein guter Klang und ein Anschein professioneller Qualität.

Der Begriff “Ergonomie” hat seinen Ursprung im Griechischen: “Ergon” ist mit “Arbeit” zu übersetzen und “Nomos” entspricht dem deutschen Wort “Gesetz, Regel”.

Die Wissenschaft der Ergonomie beschäftigt sich also mit den “Regeln des Arbeiten” oder besser ausgedrückt: Mit den Regeln des menschengerechten Arbeiten. Ziel der Ergonomie ist es dabei, den Arbeitsplatz möglichst “arbeits-freundlich” zu gestalten; erstrebt wird eine “Verschmelzung” des arbeitenden Menschen mit seiner Arbeitsumwelt. Bei dem bereits erwähnten ergonomisch geformten Bürostuhl zeigt sich dies beispielsweise in einer zusätzlichen Polsterung oder in einer dem Rücken des Sitzenden angepassten Stuhllehnenform, die die Lendenwirbel entlastet und einer dauerhaften Verkrümmung der Wirbelsäule vorbeugt. Als Forschungsmaxime der Ergonomie gilt: Die Arbeitsumwelt wird dem arbeitendem Menschen, nicht der arbeitende Mensch seiner Arbeitsumwelt angepasst.

Die Ergonomie als “Schnittstelle” zwischen Mensch und Technik dient daher nicht nur dem gesundheitsschonendem Arbeiten, sondern auch der größtmöglichen Effizienz der Arbeit. In der technologisch hochentwickelten Leistungsgesellschaft, in der wir heutzutage leben, gilt das besondere Augenmerk der Ergonomie der immer mehr zunehmenden Büroarbeit. Die ergonomischen Bedingungen an einen Bildschirmarbeitsplatz im Büro sind unter anderem, dass Bürotisch, Computertastatur und Sitzhöhe des Bürostuhls frei verstellbar sein müssen. Die ergonomischen Anforderungen gehen jedoch noch weiter: Die Bildschirmauflösung eines Computermonitors muss mindestens 800 x 600 Pixel bei wenigstens 70 Hertz betragen. Des Weiteren sollte der Sehabstand zwischen dem arbeitenden Menschen und dem Computermonitor ca. 70 cm betragen und der Computer-Drucker nicht lauter als 55 Dezibel sein.

Die Wissenschaft der Ergonomie wird als interdisziplinär verstanden, das bedeutet, dass z.B. auch psychologische Aspekte der Informationsverarbeitung in die Ergonomie hineinfließen. Ferner findet die Ergonomie in zahlreichen die menschliche Arbeit betreffenden Lebensbereichen Anwendung. Ergonomische Richtlinien und Anforderungen spielen zum Beispiel auch in der Raumfahrt und bei der Konstruktion von Space-Shuttles eine Rolle. Außerdem gewinnt die Ergonomie im IT-Bereich immer mehr Bedeutung: Die sog. Software-Ergonomie versucht die Nutzbarkeit von Software-Programmen in der Mensch-Computer-Interaktion, aber auch bzgl. Steuerungsprogrammen zur Kontrolle von Maschinen, möglichst “menschengerecht”, sprich nutzerfreundlich, zu gestalten. Die Wissenschaft der Ergonomie fällt unter das Fachgebiet der Arbeitswissenschaft und wird hauptsächlich an Technischen Universitäten (kurz: TU) gelehrt.

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