Biedermeier Design
Der Biedermeier-Stil erlebt in diesen Tagen eine Renaissance, denn er verbreitet mit seinem Design noch heute eine schlichte und zeitlose Eleganz.
Die Epoche des Biedermeier erstreckte sich vom Ende der napoleonischen Kriege um 1815 bis in die Revolutionszeit von 1848. Seinen Namen erhielt dieser Stil erst posthum nachdem diese Phase längst schon obsolet geworden war.
Charakteristisch für diese Zeit war die Abkehr vom gesellschaftlichen und politischen Leben hin in die eigenen vier Wände. Direkte Folge dieses Rückzugs in das private Umfeld war die verstärkte Aufmerksamkeit, die dem häuslichen Leben und dessen Ausgestaltung zuteil wurde. Einrichtungsgegenstände aus dieser Zeit bestachen weniger durch ein imposantes Äußeres als vielmehr durch Funktionalität und Sachlichkeit ohne dabei jedoch plump zu wirken. Zu den bekanntesten Möbelstücken des Biedermeier zählen nach wie vor so praktische Kleinmöbel, wie Sekretäre, Nähtischchen oder Kanapees. Bis heute verkauft sich der weltbekannte aber sehr einfach gestaltete Thonetstuhl hervorragend. Das Biedermeier Design kam wesentlich bescheidener und sachlicher als der vorangegangene Neo-Klassizismus daher. Das beweist nicht zuletzt einer der herausragenden und bekanntesten Vertreter dieser `abgespeckten´ Version des Klassizismus, der Architekt Karl Friedrich Schinkel. Schließlich sollten die Gestaltungselemente nicht repräsentativen Zwecken dienen, sondern die Behaglichkeit der eigenen Wohnung befördern. Im Vordergrund stand die Konstruktion an sich und deren Funktionalität sowie Nutzbarkeit im Alltag. Auf kunstvolle Ornamente und Applikationen wurde bei der Gestaltung zugunsten von Kontrasten verzichtet, die durch die Fertigung hochwertiger Furniere erreicht wurden. Symmetrische Aspekte wurden in der Formgebung des Biedermeier stärker betont.
Schönheit entstand dabei durch die kunstfertige Verarbeitung hochwertiger und teilweise exotischer Materialien.
Das Kunstgewerbe und die Handwerkskunst liefen der akademischen Kunst den Rang ab und erlebten eine Blütezeit. Die klare Formgebung dieser Epoche spiegelte sich auch in der Bekleidung. Die Mode im Biedermeier Design war schmal geschnitten, kam weitestgehend ohne aufwendige Verzierungen aus und wirkte dadurch schlicht aber elegant. Allerdings hatte Funktionalität hier genauso wie bei der Gestaltung anderer Lebensbereiche noch sehr wenig mit Bequemlichkeit zu tun. In der Kunst dominierten natürliche – realistische Darstellungen, die beinahe an Fotografien erinnern.
Das elegante aber dennoch dezente Design kennzeichnet den Stil des Biedermeier, der heute auch als `Stil der Genügsamkeit´ bekannt ist. Das Fehlen monumentaler Kunst und herausragender gestalterischer Elemente ist dabei auf die Besinnung auf das natürliche Umfeld, das Privatleben und das völlige Aufgehen im Kreise des Vertrauten, zurückzuführen.